Fünf Tote: Bewaffneter eröffnet Feuer auf dem Hauptmarkt in Krakau
Fünf Menschen wurden am Samstag getötet und mehr als ein Dutzend verletzt, als ein Bewaffneter auf dem Hauptmarkt im polnischen Krakau das Feuer eröffnete, teilte die Polizei mit. Der Angriff traf einen der berühmtesten historischen Plätze Europas an einem belebten Samstagnachmittag – in einem Land, das allgemein als eines der sichersten Reiseziele des Kontinents gilt.
Nach Angaben der Polizei fuhr ein Mann gegen 15 Uhr Ortszeit auf den als Rynek Główny bekannten Platz und schoss aus seinem Fahrzeug wahllos auf Menschen, nahe der Sławkowska-Straße und der Marienkirche. Nach Angaben des städtischen Verkehrsbetriebs war zuvor am nahe gelegenen Allerheiligenplatz auf eine Straßenbahn geschossen worden. Beamte stellten den Schützen und schossen bei der Festnahme auf ihn. Er wurde verletzt, festgenommen und ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei erklärte, der Verdächtige sei ein polnischer Staatsbürger und habe allein gehandelt; spätere Berichte beschrieben ihn als 25-jährigen Mann.
Die Opferzahl stieg im Laufe des Nachmittags, als das Ausmaß des Angriffs deutlich wurde. Erste Berichte nannten zwei, dann drei Tote, bevor die Polizei fünf Tote und mehr als ein Dutzend Verletzte bestätigte, darunter Polizeibeamte. Mindestens 15 Menschen wurden ins Krankenhaus gebracht. Unter den Verletzten waren drei Polizisten, einer davon mit drei Schussverletzungen in kritischem Zustand. Der Schütze trug militärähnliche Kleidung und war mit einer Langwaffe militärischen Typs bewaffnet. Später fand die Polizei in seinem Fahrzeug einen erheblichen Vorrat weiterer Schusswaffen und Munition.
Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnete die Schießerei als tragisch und erklärte, die Polizei untersuche die Hintergründe und sämtliche Umstände des Angriffs. Innenminister Marcin Kierwiński reiste zum Tatort. Präsident Karol Nawrocki zeigte sich tief besorgt; der Leiter des Büros für Nationale Sicherheit war auf dem Weg nach Krakau. Justizminister Waldemar Żurek sagte, Staatsanwälte seien vor Ort und der Angreifer werde streng zur Rechenschaft gezogen. Die Krakauer Stadtverwaltung bestätigte in sozialen Medien, dass nach Schüssen auf dem Platz Menschen getötet und verletzt worden seien.
Das Motiv ist weiterhin unbekannt. Keine Gruppe hat sich zu dem Angriff bekannt, und die Behörden haben ihn nicht als Terrorismus eingestuft. Die Polizei warnt vor unbestätigten Spekulationen; frühe Behauptungen im Internet über die Identität oder Zugehörigkeit des Angreifers sollten als unbestätigt behandelt werden. Fest steht, dass der Verdächtige allein handelte: Die Polizei wies Berichte, wonach nach einem zweiten Täter gesucht werde, ausdrücklich zurück.
Der Angriff ereignete sich im Zentrum des Krakauer Tourismus. Der mittelalterliche Hauptmarkt, der zum UNESCO-Welterbe gehört und jährlich Millionen Besucher anzieht, ist von historischen Gebäuden, Restaurants, Cafés und Hotels umgeben. Hier stehen auch die Tuchhallen und die Marienkirche. Der Platz wurde abgesperrt, während Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen zum Tatort eilten. Als sich die Nachricht verbreitete, verstummte die Stadt. In Polen, das in jüngerer Erinnerung nichts in dieser Größenordnung erlebt hat, richtet sich die Untersuchung nun auf die Frage, die bislang kein Verantwortlicher beantworten konnte: Warum?
